Ostern, mein 75. Geburtstag, diamantene Konfirmationsfeier fallen fast zusammen.

Fangen wir mit Ostern an: Es war der Todestag von Teilhard de Chardin. Am Ostersonntag 1955 starb er in New York City. Viele, so auch ich hörten erst später von seinem Tot:

Winter 1956, meine Studentenbude in Berlin war kalt. Briketts für den Kachelofen musste ich einmal sogar im Zinkeimer vom Kohlenhändler holen so knapp waren sie im Nachkriegs-Berlin. Die Amerika-Gedenkbiliothek war warm und nur weil ich deswegen viel Zeit dort verbrachte lernte ich sein schon 1929 verfasstes Hauptwerk, Das menschliche Phänomen, kennen.

Teilhard war ein französischer Jesuiten Geistlicher der sich mit seinem christlichem Gedankengut zu weit vorgewagt und bei der Obrigkeit in Rom unbeliebt gemacht hatte. Er wurde ins ferne China abgeschoben, fand dort als Paläontologe den Peking-Menschen, ein fehlendes Glied in der Kette der Menschwerdung, das machte ihn im Vatikan noch umstrittener, er durfte nicht veröffentlichen. Das änderte sich nach seinem Tot: Publizierung war möglich.

Etwa 30 Jahre später erfuhr ich in New York ähnlich zufällig wie in Berlin, dass er in einem Jesuiten-Stift in der Nähe beerdigt wurde, in einem jetzt sehr weltlich anmutenden Rahmen, dem CIA  (nicht bete noire der Welt) sondern Culinary Institute of America eine der besten Kochschulen der Welt. Die Studenten überraschten uns mit ihrem Enthusiasmus nicht nur fürs Kochen sondern auch wie sie uns das Dinner servierten. Wie ich es selber mit meinen Firmenprodukten erfuhr, wenn  man was Gutes hat möchte man die Welt es wissen lassen, man missioniert.

Das Stift wurde nach Teilhards Tot verkauft. Einleuchtender wäre gewesen, man hätte ihn in unserer Gemeinde Manhasset beerdigt; denn wir haben hier ein großzügiges Jesuiten-Stift, ein früheres Schloss mit 87 Räumen und einer üppigen Kapelle. Weihnachten gingen wir dort zum festlichen Gottesdienst, für Brigitte eine langjährige Tradition. Dass der spätere Papst Pius XII, der vatikanische Gegenspieler Teilhards sich hier in den dreißiger Jahren wochenlang aufhielt war wohl nicht der Grund, dass er hier nicht beerdigt wurde, sondern der schlichte Umstand das Stift hat keinen Friedhof. Soweit zu meinem Teilhard Kennen lernen.

Dramatischer ist eigentlich Teilhards Beitrag zu einer Weltkonflikt-Lösung die er schon vor fast 80 Jahren vorzeichnete nämlich die Weltreligionen unter dem Dach des Christentums zusammenzuführen: 46 Jahre nach seinem Tot am Ostersonntag in Manhatten, starben dort 9/11 fast 3000 Menschen. Brennende Fragen wurden aufgeworfen. 2000 Jahre tief verankertes Christentum sieht er nicht länger als mit  Adam und Eva anfangend und mit dem Jüngsten Gericht aufhörend, sondern seine Vorstellungen reichen vom Urknall bis zum Aufgehen der Menschheit im Kosmos unter einem christlichen Vorzeichen. Eine wirklich österliche Auferstehung für alle Menschen gleichgültig welchen Glaubens.

Teilhards Biosphäre und Geistessphäre werden widergespiegelt im modernen Internet: Unser Osterbrief kann auf der ganzen Welt eingesehen werden und die etwas frivole Karikatur hätte auch er gelten lassen, denn schließlich weiß niemand was alles noch mit dem Computer möglich ist.

Noch kurz zu den Stichworten der Überschrift; mein Geburtstag war schon lange für Las Vegas geplant, wo sich die Familie aus Ost und West trifft. Letzte Woche erhielt ich die Einladung zur Diamantenen Konfirmations-Feier. Sie fällt fast mit meinem Geburtstag zusammen, so dass ich leider nicht teilnehmen kann.

Herzliche Grüße und nochmals frohe Ostern.