Eine Bambus Angelrute zu besitzen war mein Kindheitstraum, aber es war Krieg, der Wunsch wurde mir nicht erfüllt. Im Leipziger Völkerkunde Museum und bei einer dortigen befreundeten Familie gewann ich Einblick in japanische Kultur. Japan war damals weit weg – eine Schiffsreise dauerte 6 Wochen. Fernweh entstand und blieb. Ich teile es mit Brigitte wie auch Vorliebe für japanische Gärten.
Wir fingen mit einem Zen Garten an, geflankt von unseres Nachbars japanischen Kirschbäumen, die inzwischen vom Bambus überwuchert sind. Das klassische Moos das vielen Gärtnern ein Dorn im Auge ist wünschen wir uns auf sehnlichste, haben aber kein Glück damit.
Nach japanischer Vorstellung stellt Bambus ein Inbild sanfter Melancholie dar und ich habe volles Verständnis dafür weil Bambus in der westlichen Welt nicht gebührend genutzt wird.
Die Erdbeben wären weniger katastrophal wenn mehr Häuser aus Bambus gebaut würden und für die Obdachlosen könnten sie schnell errichtet werden, denn das Rohmaterial Bambus gibt es vor Ort.
Hätte man auf den Deichen von New Orleans Bambus als Erosionsbarriere gepflanzt wäre es nicht zu der Hurrikan Kathrina Flut gekommen: das ausgedehnte zähe Wurzelgeflecht hätte es verhindert.
CO2 Umweltprobleme könnten gelindert werden; denn der immergrüne Bambus bindet CO2 das ganze Jahr – wächst 10 x schneller als Laubbäume- eine erneuerbare Ressource.
Aber die verbreitete Bambus Zurückhaltung geht noch weiter: dem Bambus wird ein unbändiger Wildwuchs zugeschrieben. Brigitte pflichtet dem bei wenn eine Bambusinvasion in ihren Gemüsegarten sie fast zur Verzweiflung bringt. Meine stoische Einstellung dazu: Bambus ist Gemüse, ein ganz vortreffliches sogar, (Rezept aus dem Internet) euphorisch spricht man sogar vom essbaren Elfenbein. Für uns ist es weißer Spargel Ersatz denn hier gibt es nur den grünen Asparagus.
Aber leider bleiben die eleganten Halme des Baumgrases verpönt. Für mich ist die exotische Vorstellung meiner Kindheit geblieben, ich habe mir die asiatische Ausstrahlung, die mystische Anmutigkeit zu Eigen gemacht.
Ein Besuch in einen japanischem Strollgarten -10 km von hier- versetzt uns in eine fernöstliche Atmosphäre und ein Hauch des exotischen bleibt dann auch in unserem Alltag in unserem Garten umgeben von 10meter hohem Bambus. jetzt im Winter verneigt er sich häufig unter dem Schnee mit einem servilen Diener, um beim nächsten Sonnenschein in der üblichen Pracht sich wieder aufzurichten

 

 

 

 

 

 

 

 

Schnee muss ich haben, soll mir der Winter Freude machen, weicher, weißer, dicker Schnee, der wärmt mir das Herz und macht meine Augen froh.
Herman Löns

1998 Goldene-Konfirmation Predigt:  http://www.gerhardclusener.com/konfirmationpredigtbamboo.html