In unserem New Yorker Garten wächst ein „Königin Luise Kastanienbaum“ den wir - gerade aus einer Kastanie gesprossen - in einer Coca-Cola Flasche aus dem Park von Hohenzieritz mitbrachten.
Als Kind war mir bekannt, dass am Südende des Neubrandenburger Tollensesees Hohenzieritz  – der Familiensitz der Königin - lag.
Mein Vater hatte als junger Mann eine Büste Luises, Kopie der ursprünglich von Schadow geschaffenen Figurengruppe auf einer Auktion erstanden.  Das Halstuch das sie trug, fand ich, machte sie besonders anziehend.  Dass sie zeitlebens an einem Halsleiden litt tat der Sache keinen Abbruch. Der Lebensgroße Kopf samt einer schwarzen korinthischen Säule verschwand von unserem Hof in Pommern während der Nachkriegswirren.
Auf unsere Ostseekreuzfahrt vor vier Wochen kamen wir nicht nur ganz nahe an Peeselin vorbei sondern auch an Tilsit und Tannenberg.
Königin Luise schloss morgen vor zweihundert Jahren am 9.7. 1807 in Tilsit einen schmachvollen Frieden mit Napoleon.

Sie starb ein paar Jahre später und wurde in Charlottenburg nicht weit von meiner Berliner Ingenieurschule beigesetzt.  Die Schule lag nur drei Strassen von meinem Studentenzimmer entfernt.  Ich kreuzte die Levetzow* und die Dortmunder Straße auf dem Schulweg.  So war ich überrascht als Brigitte auf einem NY Flohmarkt einen Hindenburg Originalbrief, gerahmt mit Bild erstand, mit der Dortmunder Straßenadresse.
In meinem Geburtsjahr war Hindenburg, der gefeierte Sieger von Tannenberg, noch Reichspräsident.  Er hatte als junger Offizier 1871 an der Kaiserkrönung in Versailles teilgenommen. Kaiser Wilhelm I war Luises Sohn und als Prinz auch zu einer Jagdveranstaltung in Obernfelde gewesen.
Eine geläufige englische Redewendung ist:  connecting the dots; wenn man alt genug wird gibt es genug Punkte zu verbinden.  Von dem Kastanienbaum in unserem Garten zu dem Hindenburgbrief in unserem Haus.

*Neugierig hatte ich mich damals schon über Levetzow informiert aber erst jetzt 50 Jahre später las ich in Stefan Zweigs Buch, Sternstunden der Menschheit „Marienbader Elegie“ Goethes letzte große Liebe.