Während meiner Kindheit in der Nähe von Rügen machte ich meine ersten Fossilien Erfahrungen: Geschoßartige (es war Krieg) ebenmäßig geformte Feuersteine. Sie wurden Donnerkeile genannt weil sie vermeintlich besonders nach Gewittern zu finden waren. Sonst wußte aber niemand etwas darüber. Sie blieben geheimnisvoll. Es waren Belemniten, langgestreckte Kopffüßer, die auch in eingerollter Form (Spirale) als Ammoniten viele Millionen Jahre die Weltmeere bevölkerten. Beide starben aus.

So etwa anno 1950 in Westdeutschland wurden wir in der Schule mit den Wissenschaften vertraut gemacht: Hohlwelttheorie, Kontinentalverschiebungstheorie, (ein so langes Wort vergißt man eigenartigerweise nicht, im englischen einfach Continental Drift).
Über fünfzig Jahre später weiß man mit größerer Gewißheit mehr. Amerika und Europa lagen vor 200 Millionen Jahren noch neben einander, die Entfernung Deutschland / New York würde nur wenige hundert Meilen sein. Nächstes Jahr ist NY schon wieder weiter weg, allerdings nur zwei Zentimeter.

nullAls Schüler besuchten wir den Doberg bei Bünde und wurden in die Geologie des Minden-Ravensberger Landes eingeführt. Der einzige Ort dieser Art in Norddeutschland. Berühmter ist Solnhofen, das wir diesen Herbst besuchten, nur wenige km von Brigittes Heimatort entfernt. Auf der Willibaldsburg in Eichstätt ist die Erdgeschichte in modernen Schaukästen zusammengefaßt. Gleich in der Eingangshalle zwei große Continental Drift Globen. Meine favorisierte lebende Fosillie das Perlboot (Nautilus im englischen) sah ich erstmalig in einem Aquarium. Desgleichen zeigte man den Pfeilschwanz der vor 350 Millionen Jahren überall auf der Welt zu finden war jetzt aber nur noch an nullder US Nordost Küste. Als ich 1961 nach NY kam war der Hufeisenkrebs wie man ihn hier auf deutsch nennt eine Überraschung für mich er hatte ein drittes urzeitlich anmutendes Auge auf der Stirn.Nur Schachtelhalm ist mir von meinen favorisierten lebenden Fossilien seit meiner Kindheit bekannt. Redwood und Ginkgo* kamen in jüngerer Zeit hinzu. Alle drei ziehen wir jetzt selber in unserem Garten, bzw. hinter unserem Firmengebäude. Die moderne Industriewelt hat Ginkgo vorm Aussterben bewahrt. Der Baum existierte nur noch vereinzelt als fernöstlicher heiliger Tempelbaum. Heute beschattet er viele Bürgersteige in NY City. Weiterhin stärkt Ginkgo Extrakt nachweislich das Gedächtnis.
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Die Hohlwelt Theorie ist inzwischen längst überholt aber sie beinhaltete auch ein geozentrisches Konzept, das auch Teilhard proklamierte, ein Französischer Wissenschaftler / Pater, der den fossilen Peking Menschen entdeckte. Teilhard starb 1955 in NY in einem Jesuitenkloster das inzwischen in das führende US kulinarische Institut umgewandelt wurde (eines unserer bevorzugten Restaurants). Ähnlich der Hohlwelt Theorie sah er die Welt in Schalen, die geologische, die biologische Sphäre und die Geistes Sphäre, die sich spiralförmig öffnet zu einem göttlichen Punkt Omega. Saul Steinberg sah die Evolution in umseitiger Illustration nüchterner. Aber zumindest das Aufkommen des Internets wäre wahrscheinlich in Teilhards Sinne gewesen.

 

*Ginkgo unter anderem angeregt durch ein vortreffliches Goethe Gedicht

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als Eines kennt?
Solche Frage zu erwidern,
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich Eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe, 1815